Ausführliche Anamnese & Labordiagnostik

In der Funktionellen Medizin bilden die ausführliche Anamnese (Erhebung der eigenen Krankengeschichte) und eine spezialisierte Labordiagnostik das unverzichtbare Fundament. Das Vorgehen unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Routinediagnostik. Ziel ist es, biochemische Ungleichgewichte, Nährstoffmängel und chronische Entzündungen aufzudecken, noch bevor irreversible Organschäden entstehen.

Die funktionell-medizinische Anamnese

Die Krankengeschichte wird in der Funktionellen Medizin extrem detailliert und systemisch erfasst. Ich nehme mir dafür meist eine Stunde oder mehr Zeit.

  • Die Timeline (Lebenslinie): Die gesundheitliche Entwicklung wird vorgeburtlich, von der Geburt (z. B. Kaiserschnitt oder spontan), über Kindheitserkrankungen bis hin zum aktuellen Gesundheitszustand chronologisch rekonstruiert.
  • Auslöser und Mediatoren: Es wird gezielt nach „Triggern“ gesucht, die die Beschwerden gestartet haben könnten (z. B. eine schwere Infektion, hoher psychosozialer Stress, Antibiotikagaben oder Unfälle).
  • Lebensstil-Analyse: Ernährungsgewohnheiten, Schlafqualität, Bewegung, Umweltbelastungen am Arbeitsplatz und die psychische Verfassung werden systematisch abgefragt.

Die erweiterte Labordiagnostik

Die Funktionelle Medizin sucht nicht nur nach manifesten Erkrankungen, sondern fahndet nach subklinischen Funktionsstörungen und Mustern. Genutzt werden dazu Blut, Speichel, Urin und Stuhl.

  • Zellulärer Mikronährstoffstatus: Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente werden oft nicht nur im Serum, sondern intrazellulär (in den Blutzellen) gemessen, um echte Mängel auf Zellebene zu erkennen.
  • Umfassende Darm- und Mikrobiomanalyse: Eine detaillierte Stuhluntersuchung analysiert die Zusammensetzung der Darmbakterien, Entzündungsmarker (z. B. Calprotectin), die Barrierefunktion (Zonulin bei „Leaky Gut“) und die Verdauungsleistung.
  • Hormonelle Dysbalancen: Stress- und Sexualhormone (wie Cortisol, DHEA, Progesteron, Östrogen) werden häufig über präzise Tagesprofile im Speichel oder Urin bestimmt, um Schwankungen im Tagesverlauf zu sehen.
  • Stoffwechsel- und Entzündungsmarker: Marker wie das hochsensitive CRP (hs-CRP), Homocystein, Insulinresistenz-Indizes (HOMA-IR) oder Mitochondrien-Funktionsmarker zeigen chronisch schleichende Entzündungen (Silent Inflammation) an.

Durch die enge Verknüpfung der persönlichen Lebensgeschichte mit diesen laborchemischen Ergebnissen lässt sich ein maßgeschneiderter Therapieplan erstellen, der exakt an den biologischen Wurzeln der Beschwerden ansetzt.